Austria

Nationalpark Hohe Tauern: Der österreichische Riese

Gegründet August 1, 1981
Fläche 709 square miles

Der Nationalpark Hohe Tauern ist Österreichs erster und größter Nationalpark mit einer Fläche von 1.836 km², die sich über drei Bundesländer erstreckt – Kärnten, Salzburg und Tirol. Er ist damit das größte Naturschutzgebiet im gesamten Alpenbogen. Im Park liegt Österreichs höchster Berg, der Großglockner (3.798 Meter), der längste Gletscher des Landes, die Pasterze, sowie die mächtigen Krimmler Wasserfälle – mit 380 Metern die höchsten freifallenden Wasserfälle Mitteleuropas. Der Park schützt eine enorm vielfältige und dramatisch vertikale alpine Landschaft, die von tiefen, üppigen V-förmigen Tälern mit jahrhundertealten hölzernen Almhütten bis zur kargen, eisigen Hochgebirgswüste des Alpenhauptkamms reicht. Er bietet Lebensraum für die bedeutendsten Bergwildtierpopulationen Europas, darunter Steinadler, Bartgeier und die größte Alpensteinbockpopulation der Ostalpen.

Geologische Geschichte

Das Gebirgsmassiv der Hohen Tauern ist unter Geologen weithin als das „Tauernfenster” bekannt. Während der gewaltigen tektonischen Kollision zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte (der alpinen Gebirgsbildung) wurden ältere, härtere kristalline Gesteine wie Granit und Gneis, die sich ursprünglich tief in der europäischen kontinentalen Kruste befanden, nach oben gedrückt und über jüngere, weichere Sedimentgesteine geschoben. Millionen von Jahren unerbittlicher Hebung und starker Gletschererosion trugen dann die weicheren Deckschichten ab und legten den alten, kristallinen Kern der Berge frei – das Gestein, das man heute auf Gipfeln wie dem Großglockner sieht. Diese komplexe geologische Geschichte ist auch für den historischen Reichtum der Region verantwortlich; in den Hohen Tauern wurde jahrhundertelang intensiv nach Gold, Silber und Kupfer geschürft, eine Geschichte, die in alten, verlassenen Stollen und in den Namen lokaler Täler wie dem Rauris (dem „Tal des Goldes”) noch immer sichtbar ist. Die Landschaft, wie sie heute erscheint, wurde hauptsächlich von den massiven Gletschern der pleistozänen Eiszeiten geformt, die die tiefen U-förmigen Täler und scharfen, gezackten Grate (Arêtes) aushoben.

Tierwelt & Biodiversität (Die Big Five der Alpen)

Die Hohen Tauern gelten international als einer der besten Orte in Europa, um die ikonischen „Big Five” der Alpen in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.

  • Alpensteinbock: Einst fast bis zur Ausrottung gejagt, wurden sie hier erfolgreich wiederangesiedelt. Diese schwer gehörnten, unglaublich agilen Kletterer sieht man oft in großen Herden, wie sie die steilen, hochgelegenen Grate mit bemerkenswerter Anmut navigieren, besonders rund um das Großglockner-Gebiet.
  • Gämse: Kleiner, schneller und weiter verbreitet als der Steinbock, werden diese flinken Bergantilopen häufig beim Grasen an den steilen, grasbewachsenen Hängen knapp über der Baumgrenze gesichtet.
  • Murmeltier: Die allgegenwärtigen, pelzigen Wächter der alpinen Wiesen. Ihre hohen, durchdringenden Warnpfiffe hallen ständig durch die Täler. Sie sind besonders zahlreich (und überraschend zahm) rund um das Besucherzentrum Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.
  • Steinadler: Mit einer beeindruckenden Spannweite und unglaublichem Sehvermögen ist der Steinadler der Spitzenprädator der Lüfte. Die Hohen Tauern beherbergen eine sehr gesunde Brutpopulation; halten Sie Ausschau nach ihnen, wie sie mühelos auf der Thermik hoch über den Tälern schweben und nach Murmeltieren jagen.
  • Bartgeier: Dies ist der größte Naturschutzerfolg des Parks. Mit einer massiven Spannweite von bis zu 2,9 Metern wurde dieser prächtige, rostfarbene Aasfresser (der sich fast ausschließlich von gebleichten Knochen ernährt) im frühen 20. Jahrhundert in den Alpen vollständig ausgerottet. Nach einem engagierten, jahrzehntelangen Wiederansiedlungsprogramm brüten sie nun wieder erfolgreich in freier Wildbahn innerhalb des Parks.

Top-Wanderungen & Sehenswürdigkeiten

  • Die Großglockner Hochalpenstraße: Eine der berühmtesten Panoramastraßen der Welt. Die Mautstraße schlängelt sich über 48 Kilometer durch das Herz des Parks, weist 36 Kehren auf und klettert am Hochtor-Pass auf eine Höhe von 2.504 Metern. Sie bietet weite Panoramablicke auf Dutzende von 3.000-Meter-Gipfeln, ohne dass Wandern erforderlich ist.
    • Kaiser-Franz-Josefs-Höhe: Am Ende einer Stichstraße (2.369 m) steht man der imposanten, eisigen Pyramide des Großglockners direkt gegenüber. Vom mehrstöckigen Besucherzentrum blickt man direkt hinab auf die gewaltige, kriechende Weite der Pasterze.
    • Gamsgrubenweg: Vom Besucherzentrum ausgehend, ist dies ein spektakulärer, einfacher und relativ flacher Panoramaweg, der buchstäblich in die Felswand gehauen wurde (einschließlich mehrerer langer Tunnel). Er bietet die besten und nachhaltigsten Ausblicke auf den Gletscher und die höchsten Gipfel.
  • Krimmler Wasserfälle: Im westlichen (Salzburger) Teil des Parks gelegen, stürzt die Krimmler Ache 380 Meter über drei gewaltige, tosende Stufen in die Tiefe. Ein steiler, aber breiter und gut gepflegter Weg (für den Aufstieg benötigt man etwa 1,5 bis 2 Stunden) führt in Serpentinen an der Seite der Wasserfälle hinauf und bietet zahlreiche ausgewiesene Aussichtsplattformen. Der extrem feine, aerosolisierte Nebel der Wasserfälle bietet wissenschaftlich erwiesen eine signifikante therapeutische Linderung für Asthma- und Allergiepatienten, was sie zu einem anerkannten „natürlichen Heilvorkommen” macht.
  • Innergschlöss: Oft als der „schönste Talabschluss der Ostalpen” bezeichnet, ist dieses abgelegene Tal in Osttirol ein Paradies für Wanderer. Die klassische Wanderung hier ist der Gletscherlehrweg, der an idyllischen, traditionellen Holzhütten und tosenden Gletscherbächen vorbei direkt bis zur stark zerklüfteten Zunge des Schlatenkees-Gletschers führt.
  • Besteigung des Großglockners: Die Besteigung von Österreichs höchstem Gipfel ist die ultimative alpine Trophäe. Es ist jedoch ein ernstes, herausforderndes bergsteigerisches Unterfangen. Es erfordert eine ausgezeichnete körperliche Fitness, Schwindelfreiheit und technische Ausrüstung (Steigeisen, Eispickel, Seile), um die stark zerklüfteten Gletscher zu überqueren und den ausgesetzten, felsigen Gipfelgrat zu navigieren. Sofern man kein sehr erfahrener Alpinist ist, ist die Beauftragung eines zertifizierten lokalen Bergführers (normalerweise mit Sitz in Kals oder Heiligenblut) unbedingt erforderlich.

Saison-Guide: Monat für Monat

Die Hochalpen erleben extreme jahreszeitliche Schwankungen, die die Zugänglichkeit und die Aktivitäten drastisch beeinflussen.

  • Sommer (Juli - September): Die Hauptsaison. Dies ist die einzige Zeit des Jahres, in der alle hochalpinen Wanderwege, Berghütten und die Großglockner Hochalpenstraße zuverlässig geöffnet und frei von tiefem Schnee sind. Die alpinen Wiesen blühen mit leuchtenden Wildblumen, und die Tage sind im Allgemeinen warm und sonnig, obwohl plötzliche, heftige Nachmittagsgewitter immer ein Risiko darstellen.
  • Herbst (Oktober - November): Ein kurzer, wunderschöner, aber höchst unberechenbarer Übergang. Die Lärchenwälder verfärben sich in ein leuchtendes, feuriges Gold, und die Luft wird unglaublich frisch und klar und bietet die beste Fernsicht. Die ersten schweren Schneestürme können jedoch jederzeit eintreffen, und die Großglocknerstraße wird normalerweise Ende Oktober oder Anfang November für die Wintersaison geschlossen.
  • Winter (Dezember - April): Der hochgelegene Park erstarrt im tiefen Frost und ist für normale Besucher weitgehend unzugänglich. Die Großglocknerstraße ist unter meterhohem Schnee begraben. Die Ränder des Parks werden jedoch zu einem Paradies für den Wintersport. Weltklasse-Skigebiete operieren an den Grenzen (wie das Gletscherskigebiet Kitzsteinhorn oder das Großglockner Resort Kals-Matrei), und die tieferen, schneebedeckten Täler bieten unberührte, stille Möglichkeiten zum Langlaufen und Schneeschuhwandern.
  • Frühling (Mai - Juni): Die gewaltige Schneeschmelze beginnt und verwandelt die Wasserfälle (wie Krimml) in tosende, spektakuläre Wildbäche. Die Großglocknerstraße wird normalerweise Anfang Mai in mühsamer Arbeit von riesigen Rotationspflügen freigeräumt, die zwischen bis zu 10 Meter hohen Schneewänden hindurchfahren. Hochalpines Wandern bleibt aufgrund der tiefen, instabilen Schneedecke gefährlich und weitgehend unmöglich.

Budget & Packtipps

  • Zugang und Mautgebühren: Der Eintritt in den Nationalpark selbst zum Wandern ist völlig kostenlos. Die berühmte Großglockner Hochalpenstraße ist jedoch eine privat verwaltete Mautstraße, und die Tageskarte ist teuer (ca. 40 € pro Auto, etwas weniger für Motorräder). Es gibt auch eine kleine Eintrittsgebühr für den Zugang zum gut ausgebauten Hauptweg entlang der Krimmler Wasserfälle.
  • Die Nationalpark Sommercard: Dieser Budget-Tipp lohnt sich besonders. Wenn Sie im Sommer Ihre Unterkunft in einem der ausgewiesenen „Nationalpark-Partner”-Hotels, Gasthöfe oder Bauernhöfe in der Region buchen, erhalten Sie die Nationalpark Sommercard kostenlos. Diese wertvolle Karte gewährt Ihnen freien Zugang zur Großglockner-Mautstraße, kostenlose Fahrten mit zahlreichen Bergbahnen, kostenlose öffentliche Verkehrsmittel in der Region sowie freien Eintritt in Museen und Schwimmbäder.
  • Kleidung (Alpine Basics): Sie besuchen die Hochalpen; das Wetter wird von der Höhe bestimmt. Auch wenn es im August im Tal 30°C hat, kann es auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe eiskalt, windig und schneereich sein. Packen Sie in Schichten: eine feuchtigkeitsableitende Basisschicht, ein warmes Fleece, eine hochwertige wind- und wasserdichte Jacke, eine Mütze und Handschuhe.
  • Schuhwerk: Wenn Sie beabsichtigen, die befestigten Wege zu verlassen und die Bergpfade zu begehen, sind robuste, steifsohlige Wanderschuhe mit hervorragender Knöchelunterstützung zwingend erforderlich. Die Wege sind steinig, uneben und überqueren oft rutschige Schneefelder oder Bäche.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Fahren auf der Großglocknerstraße beängstigend oder gefährlich?

Die Straße ist ein Wunderwerk der alpinen Ingenieurskunst; sie ist außergewöhnlich breit (für einen Gebirgspass), durchgehend asphaltiert und akribisch gepflegt. Sie ist jedoch eine ununterbrochene Serie von sehr steilen Steigungen (bis zu 12 %) und engen, schwindelerregenden Haarnadelkurven. Wenn Sie ein sicherer Fahrer sind und die Bremsen Ihres Fahrzeugs in gutem Zustand sind, ist es eine Freude, sie zu fahren. Wenn Sie unter starker Höhenangst leiden oder Angst vor dem Fahren im Gebirge haben, ist es sehr empfehlenswert, den komfortablen Postbus zu nehmen, der die Strecke im Sommer täglich befährt.

Verschwinden die Gletscher wirklich?

Tragischerweise ja, und das in einem sich beschleunigenden, alarmierenden Tempo. Die Pasterze, der größte Gletscher im Park, ist wohl das sichtbarste Opfer des globalen Klimawandels in Österreich. Sie hat seit 1856 über die Hälfte ihres Volumens verloren und zieht sich derzeit jedes Jahr um Dutzende von Metern zurück. Die Standseilbahn, die früher Touristen direkt hinunter zur Eiskante brachte, setzt sie jetzt Hunderte von Metern über dem aktuellen, geschrumpften Gletscher ab.

Darf ich im Nationalpark wildcampen?

Nein. Wildcampen (das Aufstellen eines Zeltes außerhalb ausgewiesener Bereiche) ist im gesamten Nationalpark Hohe Tauern strengstens und vollständig verboten, um die hochempfindliche alpine Flora zu schützen und die Störung der Tierwelt zu vermeiden (insbesondere während der sensiblen Dämmerungsstunden am Morgen und Abend). Nutzen Sie die ausgezeichneten, voll ausgestatteten offiziellen Campingplätze in den Haupttälern oder schlafen Sie in den hochgelegenen Berghütten (Alpenvereinshütten). Biwakieren (Schlafen im Schlafsack ohne Zelt) ist nur in absoluten, unvorhergesehenen Notfällen gesetzlich erlaubt.

Sind Hunde im Park erlaubt?

Ja, Hunde sind willkommen, aber im gesamten Nationalpark gilt eine sehr strenge, gesetzlich durchgesetzte Leinenpflicht. Dies dient dazu, die reiche Tierwelt (Murmeltiere, Gämsen) vor Hetzjagd oder Stress zu schützen und die Sicherheit der grasenden Nutztiere (Kühe und Schafe) in den tiefer gelegenen Alm-Gebieten zu gewährleisten.

Wie sieht man am besten einen Bartgeier?

Das Entdecken dieser massiven, seltenen Vögel erfordert Geduld und ein gutes Fernglas. Sie legen täglich riesige Gebiete zurück. Die beste Strategie ist es, hoch in die abgelegenen Seitentäler (wie das Raurisertal oder das Kalser Dorfertal) zu wandern, sich einen bequemen Platz mit weitem Blick auf den Himmel und die hohen Grate zu suchen und die Thermik an klaren, sonnigen Tagen sorgfältig abzusuchen. Der Nationalpark bietet auch spezielle, geführte „Wildlife Watching”-Touren mit erfahrenen Rangern an.