Malaysia (Borneo)

Gunung Mulu Nationalpark: Eine Höhlenwelt

Gegründet 1974
Fläche 204 square miles

Der Gunung Mulu Nationalpark ist ein geologisches Meisterwerk. Versteckt tief in den Regenwäldern von Sarawak auf Borneo, ist diese UNESCO-Welterbestätte berühmt für ihre phänomenalen Karstformationen. Er beheimatet die größte natürliche Höhlenkammer der Welt (Sarawak Chamber), einen der größten Höhlengänge (Deer Cave) und die rasiermesserscharfen Kalksteinspitzen, die als The Pinnacles bekannt sind. Der Zugang zum Park erfolgt hauptsächlich über den Luftweg, was das Gefühl von Isolation und Abenteuer noch verstärkt. Über der Erde ist der primäre Regenwald uralt und wimmelt nur so vor Leben; unter der Erde birgt ein Labyrinth aus über 295 Kilometern erforschter Höhlen Geheimnisse, die Millionen von Jahren in der Entstehung begriffen waren.

Die Schauhöhlen

Mulu verfügt über vier “Schauhöhlen”, die über Plankenwege und geführte Touren zugänglich sind und die Vielfalt der unterirdischen Welt präsentieren.

  • Deer Cave (Hirschhöhle): Gigantisch ist das einzige Wort, um sie zu beschreiben. Die Hauptkammer ist über 2 Kilometer lang und 174 Meter hoch – groß genug, um die St. Paul’s Cathedral fünfmal aufzunehmen. Einst war sie ein Zufluchtsort für Hirsche (daher der Name), aber heute sind ihre berühmtesten Bewohner die Fledermäuse.
  • Lang Cave: Kleiner und intimer, direkt neben der Deer Cave gelegen. Sie bietet atemberaubende Stalaktiten, Stalagmiten und “Schals”, die wie gefrorene steinernen Vorhänge aussehen.
  • Wind Cave (Windhöhle): Benannt nach der kühlen Brise, die durch ihre engen Verengungen weht. Sie beherbergt die “King’s Chamber”, eine spektakuläre Ansammlung von Pfeilern und Säulen.
  • Clearwater Cave (Klarwasserhöhle): Teil eines der längsten Höhlensysteme in Südostasien. Ein unterirdischer Fluss rauscht hindurch. Besucher können am Picknickplatz außerhalb des Höhleneingangs im kristallklaren Wasser schwimmen.

Der Fledermaus-Exodus

Eines der spektakulärsten Naturereignisse in Mulu findet in der Abenddämmerung statt. Millionen von Faltenlippenfledermäusen strömen in einer spiralförmigen, bandartigen Formation aus der Deer Cave, um im Regenwald nach Insekten zu jagen. Dieser “Fledermaus-Exodus” kann fast eine Stunde andauern. Besucher versammeln sich auf einer eigens dafür errichteten Aussichtsplattform, um das Schauspiel zu beobachten, während Fledermausaare (Falken) herabstürzen, um sich ein Abendessen im Flug zu schnappen. Es ist eine faszinierende Darstellung des Überflusses der Natur.

The Pinnacles

Für Wanderer ist die ultimative Herausforderung in Mulu der Trek zu The Pinnacles. Diese rasiermesserscharfen Kalksteinspitzen erheben sich an den Hängen des Mount Api bis zu 45 Meter hoch durch das Blätterdach des Waldes.

  • Der Trek: Es ist ein zermürbendes Abenteuer von 3 Tagen / 2 Nächten. Er beinhaltet eine Bootsfahrt, eine Wanderung zu Camp 5 und dann einen steilen, fast vertikalen Aufstieg unter Verwendung von Seilen und Leitern, um den Aussichtspunkt zu erreichen.
  • Die Belohnung: Der Anblick der grauen Steinspitzen, die aus dem grünen Dschungel ragen, ist weltweit einzigartig. Es sieht aus wie ein steinerner Wald, der von Riesen gepflanzt wurde.

Der Headhunters’ Trail (Pfad der Kopfjäger)

Für alle, die auf den Spuren der Geschichte wandeln möchten, kombiniert der Headhunters’ Trail Trekking und Langbootfahrten. Er folgt einem alten Kriegspfad, der von Kayan-Kopfjägertrupps genutzt wurde, um Überfälle auf die Bevölkerung der Limbang-Region zu starten. Heute ist es eine friedliche Möglichkeit, den Park über Land zu verlassen und unterwegs in abgelegenen Iban-Langhäusern zu übernachten.

Flora und Fauna

Mulus Regenwald ist unglaublich vielfältig.

  • Insekten: Mulu ist berühmt für seine seltsamen und wunderbaren Käfer, darunter die Laternenträgerzikade (Lantern Bug) mit ihrer langen, farbenfrohen Schnauze und der Raja Brooke’s Birdwing Schmetterling (Raja-Brooke-Vogelfalter).
  • Pflanzen: Der Park verfügt über 17 Vegetationszonen. Sie können seltene Orchideen, fleischfressende Kannenpflanzen und die massiven Tapang-Bäume sehen, die riesige Honigbienenwaben beherbergen.

Praktische Informationen

  • Anreise: Die einzige praktische Möglichkeit, Mulu zu erreichen, ist ein Flug (MASwings) von Miri, Kuching oder Kota Kinabalu. Der Flug bietet atemberaubende Ausblicke auf die gewundenen Flüsse und das Blätterdach des Dschungels.
  • Führer: Sie müssen für alle Höhlentouren und Treks (mit Ausnahme des botanischen Rundwegs) einen lizenzierten Parkführer haben. Eine Vorabbuchung wird dringend empfohlen.
  • Unterkunft: Die Optionen reichen vom luxuriösen Mulu Marriott Resort (etwas außerhalb des Parks) bis hin zu den parkeigenen, komfortablen Bungalows, Langhaus-Zimmern und Hostels.
  • Konnektivität: WLAN ist im Park-Hauptquartier und im Marriott verfügbar, kann aber langsam sein. In den meisten Teilen des Parks gibt es kein Handysignal.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gibt es Blutegel?

Ja, besonders auf den Treks zum Camp 5 oder den Pinnacles. Blutegelsocken sind Ihr bester Freund.

Ist das Wasser in den Höhlen sicher zum Schwimmen?

Das Wasser am Picknickplatz der Clearwater Cave ist sicher und erfrischend. Schwimmen Sie nicht in den Höhlen, es sei denn auf einer speziellen Abenteuer-Höhlentour.

Kann jeder die Pinnacles sehen?

Nein. Der Aufstieg ist körperlich anstrengend und technisch schwierig. Die Ranger können Sie zur Umkehr zwingen, wenn Sie die Kontrollpunkte nicht rechtzeitig erreichen. Sie müssen fit sein.

Brauche ich eine Stirnlampe?

Ja! Selbst für die Schauhöhlen ist eine Taschenlampe nützlich. Für Abenteuer-Höhlentouren ist eine Stirnlampe obligatorisch.

Was ist die “Sarawak Chamber”?

Es ist der größte bekannte geschlossene Raum der Erde. Es ist keine Schauhöhle; der Besuch erfordert eine “Adventure Caving”-Expedition nur für erfahrene Höhlenforscher.

Abenteuer-Höhlentouren: Jenseits der Schauhöhlen

Für diejenigen, die das Unterirdische auf einer tieferen Ebene erkunden wollen, bietet der Park speziell geführte Abenteuer-Höhlentouren (Adventure Caving). Diese Touren gehen weit über die beleuchteten Plankenwege der Schauhöhlen hinaus und erfordern Stirnlampen, alte Kleidung und die Bereitschaft, sich durch enge Spalten zu zwängen, in flachen unterirdischen Flüssen zu waten und über Felsblöcke zu klettern. Optionen umfassen die Clearwater Cave Upper Cave, die zu kristallinen Formationen führt, die nur wenige Menschen je gesehen haben, sowie Routen, die tief in die Sarawak-Kammersysteme eindringen. Diese Touren müssen im Voraus über das Parkverwaltungsbüro gebucht werden und sind auf kleine Gruppen mit lizenzierten Guides beschränkt – ein Sicherheitserfordernis, das die Integrität der fragilen Höhlenformationen schützt.

Vogelbeobachtung im Blätterdach

Über der Erde ist der Regenwald von Mulu ein Paradies für Vogelbeobachter. Der Park beherbergt über 270 Vogelarten, von denen viele endemisch für Borneo sind. Besonders begehrt sind der Rhinoceros-Hornvogel (Rhinoceros Hornbill), dessen charakteristischer, großer orangeroter Schnabelaufsatz ihn unverwechselbar macht und dessen tiefer, bellender Ruf durch den Wald hallt. Frühe Morgentouren entlang der Flussufer sind am productivsten: Mit etwas Geduld und einem Fernglas können Besucher auch den wunderschönen Wallace-Trogon mit seinem leuchtend roten Bauch und grünen Rücken entdecken. Der Botanische Rundweg (Botanical Garden Loop) rund um das Hauptquartier ist auch für Erstbesucher eine ausgezeichnete Option für eine frühmorgendliche Vogelbeobachtungstour ohne Führerpflicht.

Erbe und Gemeinschaft: Die Penan und die Berawan

Der Gunung-Mulu-Nationalpark wurde auf dem traditionellen Land der Penan und Berawan gegründet, zweier indigener Völker des Borneo-Regenwaldes. Die Berawan, die sesshaften Fischer und Bauern, bewohnen traditionell die Flussufer nahe des Parks, während die Penan – bekannt als eines der letzten nomadischen Völker der Erde – die tiefen Urwälder durchstreifen. Heute arbeiten einige Angehörige dieser Gemeinschaften als Parkführer und Lodgepersonal, und ihre traditionellen Kenntnisse der Waldpflanzen, Tiere und Höhlen sind ein unschätzbarer Teil des Parkerlebnisses. Wer die Chance hat, mit einem einheimischen Führer zu wandern, erhält einen Einblick in ein Wissen über den Regenwald, das über Generationen weitergegeben wurde und das kein Reiseführer ersetzen kann.