Tasmanien, Australien

Cradle-Mountain-Nationalpark: Das tasmanische Wildnisparadies

Gegründet 16. Mai 1922
Fläche 1.616 Quadratkilometer

Der Cradle-Mountain-Lake-St-Clair-Nationalpark ist das raue Juwel der tasmanischen Wildnis. Als Teil des Tasmanischen Wildnis-Weltnaturerbes schützt dieser Park eine Landschaft, die einem Fantasieroman entstammen könnte. Gezackte Doleritgipfel stechen in den Himmel, uralte, moosbewachsene Regenwälder verbergen geheime Wasserfälle, und makellose Alpenseen spiegeln das launische, sich ständig verändernde Wetter wider. Am nördlichen Ende steht das ikonische Cradle Mountain, dessen geschwungener Gipfel in den dunklen Gewässern des Dove Lake widergespiegelt wird. Am südlichen Ende liegt der Lake St Clair, Australiens tiefster Süßwassersee. Beide verbindet der legendäre Overland Track – eine der feinsten Mehrtageswanderungen der Welt.

Das nördliche Eingangstor: Cradle Mountain

Für die meisten Besucher beginnt die Reise am nördlichen Eingang.

  • Dove Lake Circuit: Dieser 6 Kilometer lange Rundweg ist einer der schönsten Kurzwanderungen Tasmaniens. Er umrundet den See unter den ragenden Zinnen des Cradle Mountain und führt durch den zauberhaften Ballroom Forest – einen kühlen, gemäßigten Regenwald, wo das Moos knöchelstief ist und die alten Myrtenbuchen ein grünes Blätterdach bilden.
  • Marions Lookout: Ein steiler Aufstieg, der Wanderer mit einem weiten Panorama des Dove Lake, des Crater Lake und der umliegenden Gipfel belohnt – der perfekte Ort, um die gletschergeformte Landschaft zu verstehen.
  • Cradle Mountain Summit: Für erfahrene Wanderer beinhaltet das Scrambling auf den Gipfel des Cradle Mountain (1.545 m) das Klettern über riesige Felsbrocken und bietet unvergleichliche Weitsicht über das zentrale Hochland.

Wildtiere: Wombats und Teufel

Tasmanien ist eine Arche für Wildtiere, die vom australischen Festland verschwunden sind, und Cradle Mountain ist einer der besten Orte, sie zu sehen.

  • Wombats: Diese kräftigen, grabenden Beuteltiere sind die Stars des Parks. Am späten Nachmittag kommen sie zum Grasen auf den Grasebenen bei Ronny Creek heraus. Sie sind im Allgemeinen unbekümmert von Menschen und ermöglichen unglaubliche Fotoerlebnisse – aber bitte Abstand halten und niemals anfassen!
  • Tasmanische Teufel: Obwohl schwerer zu sehen (da sie nachtaktive Aasfresser sind), bieten mehrere Naturschutzstationen am Parkeingang die Chance, diese hitzigen, karnivoren Beuteltiere aus nächster Nähe zu sehen und mehr über die Tumorerkrankung zu erfahren, die ihr Überleben bedroht.
  • Ameisenigel (Echidnas): Auf diese stacheligen, eierlegenden Säugetiere achten, die im Unterholz nach Ameisen schnüffeln.
  • Currawongs: Diese intelligenten, schwarzen Vögel sind überall und werden gerne den Rucksack aufzippern, um Ihr Mittagessen zu stehlen!

Das südliche Ende: Lake St Clair

Der südliche Abschnitt des Parks bietet ein anderes, ruhigeres Erlebnis.

  • Lake St Clair (Leeawuleena): Von Eis während mehrerer Vergletscherungen ausgegraben, ist dieser See 167 Meter tief. Der indigene Name Leeawuleena bedeutet “schlafendes Wasser” und beschreibt perfekt seine oft spiegelglatte Oberfläche.
  • Öko-Kreuzfahrten: Eine Fähre fährt die Länge des Sees und bietet eine malerische Möglichkeit, die Berge vom Wasser aus zu sehen und Wanderer an der Narcissus Hut für weitere Wanderungen abzusetzen.
  • Schnabeltierbeobachtung: Die stillen Buchten rund um Cynthia Bay sind ausgezeichnete Orte, um bei Morgen- und Abenddämmerung das scheue Schnabeltier zu suchen.

Der Overland Track

Der 65 Kilometer lange Overland Track ist der Heilige Gral des australischen Busch-Wanderns.

  • Die Reise: Von Cradle Mountain im Norden bis Lake St Clair im Süden dauert die Wanderung in der Regel 6 Tage.
  • Die Landschaft: Wanderer durchqueren eine eindrucksvolle Vielfalt an Terrain: von exponierten Alpinplateaus und Karen bis zu Knopfgrasmooren und dichten Eukalyptuswäldern.
  • Hütten und Camping: Es gibt öffentliche Hütten entlang der Route, aber Wanderer müssen auch Zelte tragen, da kein Schlafplatz garantiert ist.
  • Genehmigungen: Während der Buchungssaison (Oktober–Mai) sind die Zahlen streng begrenzt, um die empfindliche Umgebung zu schützen, und Wanderer müssen in Richtung Süden wandern. Monate im Voraus buchen ist unerlässlich.

Flora: Uraltes Gondwana

Die Vegetation im Park ist eine lebendige Verbindung zum uralten Superkontinent Gondwana.

  • Pandanis: Wie aus einem Dr.-Seuss-Buch entsprungen, sind diese riesigen Heidepflanzen nur in Tasmanien zu finden und können bis zu 12 Meter hoch werden.
  • Entscheidungsbuche (Fagus): Australiens einziger heimischer Laubbaum. Im späten April und Mai färben sich die Hänge in strahlendes Gold und Rostrot – ein Phänomen, das als “Turning of the Fagus” bekannt ist und Fotografen aus aller Welt anzieht.
  • King-Billy-Kiefern: Einige dieser massiven Nadelbäume sind über 1.500 Jahre alt.

Praktische Informationen

  • Wetter: Das Wetter ist notorisch unberechenbar. Es kann im Sommer (Dezember) schneien und im Winter sonnig sein. “Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte 5 Minuten” ist ein lokales Sprichwort. Immer warme Schichten und wasserdichte Ausrüstung mitnehmen, selbst bei kurzen Wanderungen.
  • Shuttle-Bus: Um den Park zu schützen und Staus zu reduzieren, dürfen private Fahrzeuge zu den Öffnungszeiten nicht zum Dove Lake fahren. Besucher müssen am Besucherzentrum parken und den kostenlosen Shuttle-Bus nehmen.
  • Parkausweis: Ein gültiger Nationalparkausweis ist für die Einfahrt erforderlich.
  • Unterkunft: Optionen reichen von Luxuslodges und Chalets bis zu Campingplätzen kurz außerhalb der Parkgrenze.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist das Besteigen des Cradle Mountain schwierig?

Ja. Es ist eine anstrengende, ganztägige Wanderung, bei der über riesige Felsbrocken geklettert werden muss. Es erfordert gute Fitness und Schwindelfreiheit. Das Wetter kann sich sofort ändern und die Felsen rutschig und gefährlich machen.

Kann ich Schnee sehen?

Ja! Schnee ist im Winter (Juni–August) üblich, kann aber jederzeit im Jahr auf den Gipfeln fallen. Die Landschaft sieht unter einem Hauch von Weiß magisch aus.

Gibt es Schlangen?

Ja, drei Schlangenarten leben in Tasmanien (Tiger-, Kupferkopf- und Weißlippenschlange), und alle sind giftig. Sie sind jedoch im Allgemeinen scheu und weichen bei Vibrationen zurück. Gamaschen tragen, wenn man in hohem Gras wandert.

Darf ich im Dove Lake schwimmen?

Ja, aber seien Sie gewarnt: Das Wasser ist das ganze Jahr über eiskalt!

Brauche ich einen Führer für den Overland Track?

Nein, man kann ihn selbstständig begehnen, wenn man erfahren ist und die richtige Ausrüstung hat. Verschiedene Unternehmen bieten geführte Wanderungen mit Unterkunft in privaten Hütten für ein komfortableres Erlebnis an.

Was macht den Overland Track zu einer der besten Wanderungen der Welt?

Der Overland Track kombiniert außergewöhnliche Vielfalt der Landschaft – von Alpinplateau über Urwald bis zum tiefsten Süßwassersee Australiens – mit einer einzigartigen Tierwelt und dem Gefühl echter, unberührter Wildnis. Die Route ist gut gepflegt und mit Hütten ausgestattet, bietet aber noch die Herausforderung und Einsamkeit einer echten Mehrtageserfahrung in der Natur.